Ich erinnere mich gerne an Momente meiner Kindheit, in denen ich vor Bildern, Skulpturen oder den aus Kupferblech geprägten Reliefs meines Großonkels Alfredo Bortoluzzi stand. Kupferbilder von fremden Kulturen, ein Familienwappen mit Helm, Krone und Storch.

Gerade diese haben mich als Kind tief berührt und immer wieder magisch angezogen.

Der Werkstoff Kupfer, die feinen Ziselierungen – es war mir ein Rätsel, woher sie kamen und wie sie gemacht wurden.

Immer wieder musste mir meine Mutter von „Onkel Freddy“ erzählen, dem Bruder meines Opas, dem Künstler, dem Bauhäusler.

Ein befreundeter Architekt machte mich Anfang 2018 auf das bevorstehende Bauhaus-Jubiläum aufmerksam.

Schon Jahre zuvor stieß ich immer wieder auf die Spuren meines Großonkels, dessen Leben wie einem Roman glich.

Doch nie war ich so tief in diese Materie eingestiegen, wie ich es in den folgenden Monaten tun sollte.

Er studierte am Bauhaus in Dessau bei Paul Klee und war begeistertes Mitglied der Bauhausbühne unter der Leitung von Oskar Schlemmer.

Doch 1933 verboten ihm die Nazis die Malerei. Er gewann einen hoch dotierten Wettbewerb für Ballett an der Pariser Oper und war dort zwei Jahre als Solotänzer tätig. 1936 holte ihn Herbert von Karajan nach Aachen an die Oper. Dann wurde er Choreograph an der Oper in Breslau.

1943 steckten ihn die Nazis in ein Arbeitslager in der Nähe von Auschwitz. Tagsüber musste er Panzergräben gegen die Rote Armee ausheben und nachts für die Soldaten tanzen. Doch er konnte fliehen und kuratierte 1946 zusammen mit Kandinsky und Klee die erste Ausstellung über „entartete Kunst“ in Heidelberg. Danach baute er das Badische Staatsballett in Karlsruhe wieder auf. Nach einem schweren Unfall wanderte er in den 50er Jahren mit seinem Freund nach Apulien aus und baute dort ein Haus im Bauhaus-Stil, direkt am Meer.

Sie gaben sich als Brüder aus und hatten eine Haushälterin angestellt, die sich als Frau des Einen ausgab. Doch irgendwann wurde sie schwanger von einem Mann aus dem Fischerdorf. Die Geschichte flog auf. Doch die beiden Künstler waren mittlerweile so beliebt im Dorf, dass dies nie zum Problem wurde.

Er starb 1995. Seine Werke sind nun in einer Fondazione in Foggia aufbewahrt.

„Dreieck“

Farbiges Epoxidharz
Preis ab 69,00 €

„Kreis“

Farbiges Epoxidharz
Preis ab 69,00 €

„Viereck“

Farbiges Epoxidharz
Preis ab 69,00 €

„Echos“

Brosche aus Silber mit Feuer Emaille
Preis: 650,00 €

„Im Mittelpunkt“

Halskette aus 18 kt Gelbgold und Feuer Emaille
Preis: 8.000,00 €

Ich habe seine Geschichte gemeinsam mit meiner Mutter und der Journalistin Barbara Hein für das „Art“-Magazin recherchiert, unter anderem mit Hilfe des Bauhaus-Archivs in Berlin und dem Paul Klee-Zentrum in Bern.

Ich bin nach Peschici in Apulien gereist, habe sein Haus gefunden, seinen Nachlass studiert und bin dabei immer wieder auf Paul Klee gestoßen.

Als ich mit der Arbeit an meiner Kollektion „Echos“ begann, war alles noch sehr verschwommen.

Ich hatte großen Respekt vor der Recherche zu diesem Thema. Füllt es doch ganze Räume in Bibliotheken, endloses, zermarterndes Bücherwälzen rollte auf mich zu.

Nachdem ich mich langsam mit der Materie vertraut machte, zog es mich immer mehr hinein.

Schnell wurde mir bewusst: DAS Bauhaus gibt es nicht. Eine Schule, die in kurzer Zeit dreimal den Ort wechselte, drei Direktoren hatte, in einer Zeit, die für ihre politischen und gesellschaftlichen Exzesse berüchtigt war. Das sind mehr als nur ein paar Designklassiker, Gebäude und staatliche Institutionen, die sich um ein Jubiläum bemühen.

„Genesis“

Ring aus 18kt Gelbgold mit 0,56ct Rohdiamanten und 0,19ct grau-rosa Diamant
Preis: 1.800,00 €

„Geheimnis der Nähe“

Ring aus 18kt Peach Gold mit 1,20 ct Turmalin und 0,05 ct farbigen Diamanten
Preis: 3.200,00 €

Ich beschloss, diesem sensiblen Thema deutscher Geschichte ein ganzes Jahr zu widmen.

Doch wie sollte eine vom Bauhaus inspirierte Kollektion aussehen?

Die für mich und wahrscheinlich jeden einprägsamsten Bauhaus-Elemente sind die drei Grundformen.

Dreieck, Viereck und Kreis. In den drei Grundfarben gelb, rot und blau.

Diese drei Elemente sollten mir eine andere Sicht offenbaren. Am Bauhaus muss man um die Ecke denken.

In der Zeit, in der das Bauhaus entstand, nach all den dekorativen und prunkvollen Epochen, die durch religiöse Opulenz, kaiserlich uniformierten Militarismus und flächendeckende Folklore geprägt waren, trieb der bedingungslose Fortschritt mit dem Brandbeschleuniger des Ersten Weltkrieges zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ausgehende industrielle Revolution wie eine wild gewordene Sau über die Erde!

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde diese Opulenz harsch beendet. Zerstörung, Leid und Wohnungsnot umklammerte die junge Republik.

Gleichzeitig waren die Straßen voller Visionen, elektrischem Licht und Automobilen. In den Metropolen explodierte die Moderne, und diese Moderne brauchte eine Schule – das Bauhaus.

Paradoxerweise stützten sich die Eckpfeiler dieser „Schule der Moderne“ auf so altertümliche Institutionen wie das Handwerk. Schüler und Meister.

Eine ganzheitliche, künstlerisch-handwerkliche Ausbildung, die den neuen Menschen allumfassend ausbilden sollte.

Das Bauhaus bot den jungen Menschen einen Übungsplatz der Zukunft an.

Sowohl im Umgang mit neuen Techniken als auch in politischen und gesellschaftlichen Fragen schickte sich das Bauhaus an, frei zu sein!

Erstes Aquarell, Einfluss Paul Klee, Bauhaus Dessau 1928
Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin

„Adaptionsverlauf“

Zweifingerring aus 18kt Gelbgold
mit 4,05ct Diamanten im Farbverlauf von hellbraun nach dunkelbraun
Preis: 18.000,00 €

Zurück zu den Echos.

Farben.

Mein Großonkel studierte bei Paul Klee in Dessau.

Paul Klee zog mich magisch an.

Seine Farbtheorien, mathematisch-graphischen Zeichnungen zur Farb- und Formenlehre.

„Ich muss zum Kristall werden“, wie Paul Klee während der Zeit des ersten Weltkriegs einmal sagte, um sich vor der brutalen Realität dieser Zeit zu schützen.

Bei

„Echos“

geht es überwiegend um Farben. Die Darstellung von Farben, an denen man sich ohne störende, „unterstreichende Adjektive“ erfreuen kann.

Die Aufgabenstellung ist dabei, ein Gerüst zu bauen, das Farben sichtbar macht, sie trägt.

Als Beispiel, die Kette „Im Mittelpunkt“ – aus einfachen, zarten Rechtecken, die mit Fensteremaille gefüllt sind und einen Farbverlauf bilden.

Extrem aufwendig herzustellen, am Ende jedoch leicht und absolut selbstverständlich.

Die Farbe kommt in unterschiedlicher Form in die Schmuckstücke.

Ich arbeite mit Emaille und Lacken, mit Edelsteinen und Epoxidharzen. Mit unterschiedlichen Farbgoldlegierungen und Plattierungen.

Mit Echos beschreibt man den schwächer werdenden Nachhall eines „Urknalls“ – bis zum völligen Verstummen.

Was bleibt, ist die Erinnerung.

Der Schmuck soll diese Erinnerung tragbar machen, selbst zum Urknall werden und im Laufe seiner Zeit zum Echo verblassen.

Bis er wiederum, vielleicht, wiederentdeckt wird.

Alfredo Bortoluzzi, * 1905- † 1995
Collage geometrisch, Unterricht Kandinsky, Bauhaus Dessau 1927
Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin

„Ich Kristall“

Ring aus 18kt Gelbgold mit 27,45ct Turmalin
Preis: 22.000,00 €

„Spaziergang mit Hund“

18kt Peach Gold, 1 Smaragd 2,57ct, 1 Smaragd 2,05ct, 4 Turmaline 1,94ct, 1 Mali Granat 0,43ct, Pink Saphire 1,12ct, 1 Spinell 0,7ct
Preis: 16.200,00 €

„Elementarformen“

Ohrringe aus 23kt goldplattiertem Sterlingsilber mit Rosenquarz Plättchen
Preis: 349,00 €

„Die Tunisreise“

Ring aus 18kt Gelbgold mit Koralle und farbigen Achaten
Preis: 1.200,00 €

„Antibes“

Halskette aus Silber und Gold mit Gold Berylle
Preis: 12.000,00 €

„Thek“

Ring aus 18kt Gelbgold mit einem 1,64ct Lemon Opal, 1,55ct gelben Rohdiamanten und 1,35ct grünen Diamanten
Preis: 8.900,00 €

Komposition, Einfluss Ferdinand Leger
Bauhaus Dessau 1928